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Presse


Wie Montaigne in seinen „Essais“ beschäftigt sich Dogen in seinem „Shobogenzo“ mit der ganzen Bandbreite des Lebens: mit Fragen der Anlage von Bauten, mit philosophischen Versuchen, die umgebende Welt zu strukturieren, mit (scheinbaren) Irrwegen und Logiken, mit dem Zusammenleben von Menschen und der Einsamkeit, mit Glück, Lust, Hoffnungslosigkeit und nicht zuletzt mit dem Lernen und dem Reisen. Zudem sind beide Bücher auch nüchterne und pragmatische Wegweiser im Umgang mit und bei der Nutzung von Religion.

 

Ist schon der Zugang zu einigen „Essais“ nicht gerade leicht, überwogen bei mir nach den ersten Leseerfahrungen mit Kapiteln des „Shobogenzo“ schlicht Verständnislosigkeit und Unzufriedenheit. Zu Vieles darin war und blieb zeitlich und kulturell fremd.

 

Das nun vollständig vorliegende dreibändige Werk von Yudo J. Seggelke
 

„ZEN Schatzkammer: Einführung in Dogens Shobogenzo“

erfüllt die Aufgabe einer ausführlichen Schatzkarte. Mit profunder Kenntnis der buddhistischen und japanischen Kultur - gegründet in langjähriger eigener Praxis des Zen - erläutert Seggelke alle 95 Kapitel von Dogens Hauptwerk und lässt den Leser ein in mancher Hinsicht verborgenes Stück der religiösen/philosophischen Weltliteratur entdecken.

 

Es tut dieser Einführung gut, dass der offenkundige Vortrags- Charakter der Texte in der Buchausgabe weiter spürbar ist. Für die mündliche Darstellung sorgfältig und klar strukturiert, auf die wesentlichen Punkte der Ausführungen Dogens konzentriert, helfen Seggelkes Erläuterungen auch einem Leser bei wenigen Vorkenntnissen und nicht-buddhistischer Herkunft, die beeindruckenden, aber schon durch Menge und die gewählte literarische Form verwirrenden Aussagen des „Shobogenzo“ Schritt für Schritt nachzuvollziehen.

Yudo Seggelke erläutert, schafft Bezüge und klärt, bleibt aber dankenswert diskret mit persönlichen Aussagen und Festlegungen. Damit eröffnet er jedem Leser viel Raum für eine eigene Auseinandersetzung mit Dogens Werk. In meinem Fall führte dies dazu, dass ich die deutsche Übersetzung des „Shobogenzo“ immer griffbereit hatte, um nach der Lektüre des jeweiligen Textes von Seggelke sofort das entsprechende Kapitel bei Dogen zur Hand nehmen und den Originaltext vertiefend lesen zu können. Auf diese Weise hat Seggelke (und tut es weiterhin) die faszinierende Gedankenwelt des beeindruckenden Denkers Dogen eröffnet, ohne dass er die notwendige eigene denkerische Arbeit der Aneignung und die Möglichkeiten der Sicht auf den Text einschränkt – ein größeres Kompliment kann ich einer Einführung nicht machen.
 

Dass die Erläuterungen Yudo J Seggelkes zudem auf die langjährige Beschäftigung seines japanischen Lehrers Gudo Wafu Nishijima mit dem „Shobogenzo“ zurückgreifen können wird an den zentralen Stellen deutlich, an denen er die Grundstruktur des Denkens von Dogen vorstellt –ein weiterer besonderer Wert dieser Einführung für den Leser. Sehr empfehlenswert.

Kügler

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